CEOs über Innovationen, das Umdenken beim Thema Datenschutz und den Kampf gegen Big Tech

Kürzlich hat sich unser CEO Jon von Tetzchner mit Sridhar Ramaswamy, CEO von Neeva, zu einem offenen Gespräch getroffen. Unsere Kollegin Varsha Chowdhury moderierte die Diskussion.

Was passiert, wenn zwei großartige Internet-Innovatoren zusammentreffen? Neue Erkenntnisse über das Zeitalter von Tracking, Big-Tech-Monopolen und was sie dazu bringt, sich einen neuen und besseren Weg für alle im Internet vorzustellen und zu voranzutreiben.

Wir teilen das Gespräch als Browsercast auf SoundCloud, sodass du die vollständige Diskussion in Jons und Sridhars eigenen Worten hören kannst. Bitte beachte, dass das Gespräch in drei Zeitzonen stattfand, die eher in Zuhause als in Studios aufgezeichnet wurden.

Über die CEOs

Jon von Tetzchner ist Mitbegründer / CEO von Vivaldi, dem datenschutzfreundlichsten und anpassbarsten Browser. Jon gestaltet das Internet seit 1994 durch Browserentwicklung und Leadership. Derzeit lebt er in Massachusetts.

Sridhar Ramaswamy ist Mitbegründer / CEO von Neeva, der einzigen werbefreien privaten Suchmaschine. Sridhar, ein ehemaliger SVP für Anzeigen bei Google, nutzt seine umfassende Interneterfahrung, um die Suche nach Nutzern neu zu planen. Er lebt in Kalifornien.


Höhepunkte des Gesprächs

Q: Das Tracking ist außer Kontrolle geraten. Wie gehen wir damit um?

Sridhar: Auf Mikrobene hat das Internet es für den Durchschnittsbürger unglaublich schwer gemacht zu sagen, was echt und was falsch ist. Ich denke, es gibt eine massive Erosion des Vertrauens, die sehr allgegenwärtig ist.

Das Internet hat es für den Durchschnittsbürger unglaublich schwer gemacht zu sagen, was echt und was falsch ist.

Sridhar Ramaswamy

Der zweite Teil ist, dass einige Unternehmen das Internet dominieren. Bei Unternehmen geht es um Gewinn. Wenn also Probleme auftreten, wenn es Probleme mit der Zivilgesellschaft gibt, kann man eine große Zurückhaltung seitens der Unternehmen sehen.

Diese massive Zentralisierung der Ressourcen, der nur schieren Anzahl von Dollar, in einigen Unternehmen ist ein anderer problematischer Aspekt.

Jon: Wir waren auf einem richtig guten Weg, bis sich die Dinge zwischen 2010 und 2012 änderten. Es gibt einige Unternehmen, die ihre Macht missbraucht haben. Sie nahmen Daten, die über Menschen gesammelt wurden.  Unabhängig davon, welchen Service du anbietest, finden sich Daten im deinem System. Die Frage ist, wie man mit diesen Daten umgeht. Behandelst du sie als etwas, das geschützt werden soll? Oder benutzt du es, um Profile von Benutzern zu erstellen?

Es gab immer viele wirklich schlechte Dinge im Internet, aber ohne die Algorithmen, die dir diese Daten tatsächlich vorschlagen, würdest du sie nicht finden. In gewisser Weise zeigen dir die Algorithmen, die wahrscheinlich mit den besten Absichten optimiert wurden, um dir relevante Inhalte und dergleichen zu zeigen, den schlechten Inhalt. Und optimiert für ein System, in dem dir mit der Zeit immer schlechterer Content gezeigt wird. Und dann wurde das auch noch mit Werbung kombiniert. Es ist eine Mischung aus der Hölle, die viel Schaden angerichtet hat.

Eines der Dinge, die ich tue, ist, darüber zu sprechen und zu sagen: „Hey, wir haben hier ein Problem.“ Wir werden jedem, der zuhören möchte, sagen, dass wir ein Problem haben, das reguliert werden muss.

Es hat etwas länger gedauert, als ich gehofft hatte. Es braucht Zeit, bis die Leute die Kraft dieser Algorithmen und ihre Funktionsweise verstehen, und es braucht Zeit, bis sie erkennen, dass sie sie nicht wirklich reparieren können, indem sie kleine Dinge tun. Die Verwendung von Daten muss reguliert werden. Die Leute sprechen über Daten als das neue Öl. Ich denke, es ist ein sehr korrekter Ausdruck, weil er unseren Planeten zerstört.

Die Leute sprechen über Daten als das neue Öl. Ich denke, es ist ein sehr korrekter Ausdruck, weil er unseren Planeten zerstört.

Jon von Tetzchner

Das erste, was wir als Unternehmen tun können, ist, selbst keine Daten zu sammeln. Und mit verschiedenen gleichgesinnten Unternehmen zusammenarbeiten. Denn innerhalb weniger Jahre haben wir so viel Schaden gesehen. Wir sehen immer mehr Leute, die aufstehen und sagen: „Hey, genug ist genug. Wir müssen das ändern. Das muss aufhören.”

Sridhar: Ein Grundprinzip, das wir hatten, als wir über Neeva nachdachten, war, dass Privatphäre neugedacht werden muss. Wenn du mit einer Website interagierst, hast du ein Konto bei ihnen. Die Website weiß, dass du ein Konto bei ihnen hast. Du bist angemeldet. Das ist kein Tracking. Du interagierest nur jemandem. Andererseits, müssen wirklich 2000 andere Unternehmen wissen, dass du eine bestimmte Seite in der New York Times oder CNN oder einer anderen Website besuch hast? Absolut nicht.

Viele Unternehmen, die in den letzten 20 Jahren gegründet wurden, hatten im Wesentlichen den Standpunkt, dass alle Daten gut waren, und je mehr Daten gesammelt wurden, desto besser. Dies brachte uns zum Nachdenken: „Was ist das kleinste Minimum an Daten, die wir über den Nutzer benötigen, um eine großartige Erfahrung für den Benutzer zu schaffen? Und wie stellen wir sicher, dass sie das Gefühl haben, für ihre Erfahrung verantwortlich zu sein?“ Es ist ein vereinfachtes Datenschutzmodell.

Ich denke, es besteht ein großer Druck, Tracking abzuschaffen, aber ich denke, es muss eine begleitende Regulierung geben, denn wenn wir einfach nur auf Browserebene Druck ausüben, bewegt sich alles serverseitig, wo keiner von uns einen Einblick hat, in das, was geschieht.

Jon: Ich erinnere mich an die frühen Tage des Internets, wenn man bestimmte Informationen über Kunden hat, dann hat man sie mit niemand anderem geteilt. Es ging für mich absolut in die falsche Richtung, als Unternehmen entschieden haben: „Hey, wir müssen diese Regel nicht folgen.“ Nur weil Google oder Facebook und andere alle diese Vereinbarungen mit mehreren Unternehmen haben, heißt das nicht, dass die Daten, die man als Kunde mit diesem Unternehmen teilt, etwas sind, auf das sie Zugriff haben sollten.

Ich habe lange Zeit Anzeigen als die Methode gesehen, mit der das Internet frei werden kann. Das Problem begann, als sie in den Überwachungsmodus gingen. Kontextbezogene Anzeigen sind viel besser. Ich mag auch deine Version, in dem es keine Werbung gibt. Ich mag das Prinzip, für ein Produkt bezahlen zu können, ohne, dass man an Bedingungen geknüpft ist.

Q: Warum ist es so wichtig, die richtigen Partner zu haben?

Jon: Die Menschen vertrauen uns, dass wir die richtigen Partner auswählen. Darüber mussten wir nachdenken, als wir uns für Neeva entschieden haben. Wir glauben, dass dies eine gute Wahl für unsere Nutzer ist. Unsere Nutzer vertrauen darauf, dass wir das überprüft haben.

Ich glaube, die Wahl, die du anbietest, ist sehr positiv. Wir brauchen mehr frisches Denken. Wir brauchen neue Möglichkeiten, um die Entscheidungen zu treffen, die die Menschen sehen möchten. Und ich denke, das ist eine brillante Art, es zu tun.

Sridhar: Für uns sind unsere Partner wirklich wichtig, denn wir wollen, dass wir in unserem Kern ein einfaches Unternehmen sind. Wir wollen, dass Neeva ein Dienst ohne Sorgen ist. Und gerade weil die meisten Unternehmen noch nie so gedacht haben, sind Partner für uns sehr wichtig.

Wir sind sehr vorsichtig, mit welchen Tools wir unsere Kundendaten verarbeiten. Es stellte sich als große Herausforderung heraus, andere Services zu finden, deren Werte mit unseren kompatibel sind. Und das ist einer der großen Gründe, warum wir uns über Vivaldi freuen, denn für beide Unternehmen sind Einfachheit und Prinzipien enorm wichtig. Auf dieser Ebene klingt es so einfach. „Hey, du solltest deine Kundendaten nicht einfach weitergeben.”

Q: Gab es einen Wendepunkt, der dich zu deiner heutigen Perspektive des Internets gebracht hat, Sridhar?

Sridhar: Dinge wie eine Suchmaschine oder ein Browser sind buchstäblich unser Tor zu Informationen. Eine sorgfältige Auswahl ist daher sehr wichtig. Deshalb halten wir es für sehr wichtig Alternativen anzubieten.

Warum halte ich an manchen Grundprinzipien so sehr fest? Es war für mich ein kumulatives Lernen – das Anzeigenmodell, Tracking, die Profilerstellung, die überall vor sich ging, aber, viel dramatischer, buchstäblich die Tausenden von Unternehmen, die alles im Auge hatten, was wir taten – das überzeugte mich, dass ein einfacherer und dramatisch besserer Ansatz gebraucht werden würde.

Q: Warum entscheiden sich so viele Menschen trotz der Risiken immer noch für die Nutzung von Google-Diensten?

Sridhar: Es dauerte 20 Jahre um einzusteigen. Es wird 10 Jahre dauern, um wieder raus zukommen. Google stellt viele Dienste von hoher Qualität zur Verfügung. Das ist Teil des Problems. 

Es dauerte 20 Jahre, um einzusteigen. Es wird 10 Jahre dauern, um wieder raus zukommen.

Sridhar Ramaswamy

Menschen sind in Gewohnheiten gefangen. Hier müssen die Regierungen bei der Suche eine stärkere Rolle spielen. Meine größte Sorge bei Neeva ist zum Beispiel nicht, dass wir kein großartiges Produkt entwickeln können. Ich mache mir Sorgen, ob die Leute überhaupt auf Neeva aufmerksam werden. Das ist der schwierige Teil. Google hat großartige Produkte entwickelt, aber Google nutzt seine Position, um zu verhindern, dass Wettbewerb entsteht. Es ist für ein Unternehmen selbstverständlich, aber unsere Regierungen müssen sich ansehen, was für uns als Kollektiv für die Menschheit langfristig am besten ist, und sicherstellen, dass es Wettbewerb gibt.

Erinnerst du dich daran, als Microsoft wegen Datenzugriff das Justizministeriums am Hals hatte. Ich denke, dass diese Art von Überprüfungen, diese Art von Aufmerksamkeit wichtig sind, weil Wahlmöglichkeiten wichtig sind. Das ist es, was Wert schafft.

Jon: Kartellrecht spielt eine wichtige Rolle. Als das Justizministerium gegen Bill Gates und Microsoft vorging, war das eine sehr wichtige Sache. Microsoft war in Gefahr gespalten zu werden. Und obwohl die Konsequenzen nicht so groß waren wie erwartet, wurden sie immer noch überwacht und mussten zweimal nachdenken, war sie taten. Ich denke, das hat einen Unterschied gemacht.

Wir müssen Wege finden, um den Wettbewerb zu öffnen, weil sich unsere großen Konkurrenten nicht richtig verhalten. Der Wettbewerb sollte fair sein.

Es gibt dieses Konzept, bei dem du, wenn du dich mit Google und anderen verbindest, dann bist du dort eingesperrt. Du musst buchstäblich das Seil durchschneiden, um wieder heraus zukommen. Denn eine Sache, die du nicht tun möchtest, ist dich anzumelden. Welche Dienste kannst du also stattdessen nutzen? Wir möchten unseren Nutzern helfen, diese Dienste zu finden.

Q: Sridhar, warum glaubst du, dass die Menschen bereit sind Neeva zu nutzen?

Sridhar: Du kannst Umfragen durchführen, ob Menschen eine werbefreie Suchmaschinen verwenden möchten. Du wirst von den Ergebnissen überrascht sein, denn die Menschen sind ziemlich interessiert in diesen Sachen. Das basiert auf rationalen Interessen.

Der irrationale Teil von „Warum Neeva?” Wir sind wirklich davon überzeugt, dass wir ein Produkt entwickeln können, das dramatisch besser und dramatisch nützlicher sein wird als Google. Einfach weil wir diese Einschränkungen nicht haben.

Die Leute vergessen, wie sehr wir mit unserer Geschichte verbunden sind, wenn es um einige dieser Dinge geht. Der Grund, warum Google das nicht tun möchte, ist, dass es sein gesamtes Geld auf der Seite verdient. Google möchte, dass du durch die Website scrollst, damit du an all den Ads vorbeikommst. Unser Modell hingegen ist etwas völlig anderes.

Wir werden also beide auf einer Ebene informiert, die uns unglücklich macht, auf einer anderen Ebene jedoch durch das, was wir aufgrund unseres Hintergrunds bei der Suche für möglich halten.

Q: Den Fokus auf Innovation haben Neeva und Vivaldi gemeinsam. Vivaldis Grundphilosophie ist, dass jeder die beste Nutzererfahrung verdient. Kannst du mehr sagen, Jon?

Jon: Viele Software Dienste, die zur Zeit gebaut werden, basieren auf dem Sammeln von Daten von Nutzern. Anstatt Daten zu sammeln, fragten wir unsere Nutzer nur: „Was wollt ihr?“ Das bedeutet, dass wir Dinge bauen, wie Tab Stacking, in denen wir die einzigen sind, die das machen. Wir haben jedoch nicht nur eine einzige Implementierung. Wir haben drei. Dieses Konzept von „entweder mein Weg oder die Autobahn“, mit dem andere Konkurrenzunternehmen fahren, bietet nicht die besten Ergebnisse für die meisten Menschen, denn wir sind alle einzigartig. Wir haben alle unterschiedliche Meinungen darüber, wie die Dinge zu laufen haben. Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Es gibt nur meinen Weg und deinen Weg und beide sind gleichmäßig wertvoll. 

Wir haben alle unterschiedliche Meinungen darüber, wie Dinge getan werden sollen. Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Es gibt nur meinen Weg und deinen Weg und beide sind gleichermaßen wertvoll.

Jon von Tetzchner

Wir besitzen die Firma selbst. Das ermöglicht es uns, Entscheidungen zu treffen, ohne dass der Druck von außen sagt: „Du musst Geld verdienen.“ Dadurch, dass das Unternehmen von den Mitarbeitern kontrolliert wird, können wir sicherstellen, dass wir in die richtige Richtung gehen.

Q: Sridhar, kannst du näher erläutern, warum Neeva ein bezahlter Dienst ist?

Sridhar: Die Internet-Geschichte ist voller Beispiele von Unternehmen, die kostenlos sind und dafür ein paar Anzeigen schalten. Und es hat sich herausgestellt, dass sie ihre Versprechen nie gehalten haben. Ich wollte einen nützlichen Service schaffen, und ich wollte, dass die Menschen dafür bezahlen, denn das ist der beste Weg um eine langfristige Beziehung zu schaffen. 

Wir haben auch den Preis niedrig gehalten, weil wir wollen, dass er erschwinglich ist. Viele Online-Dienste sind erstmal kostenlos, aber eigentlich sind sie äußerst ausbeuterisch. Und das andere seltsame, was mit kostenlosen Services passiert, ist, dass der Skaleneffekt an die Plattformersteller geht. Google gibt heute nicht wirklich mehr Geld für die Suche aus als vor 10 Jahren, aber es verdient viermal so viel Geld und behält das meiste davon. Wir wollen direkt ausgerichtet sein, wenn wir wachsen, wenn wir gedeihen. Wir möchten mehr Dienstleistungen in die gleiche Gebühr von 5 USD investieren und viele der Vorteile, die wir von der Skalierung erhalten, an unsere Kunden zurückgeben.

Wir sind auch der Meinung, dass dies unsere langfristige Unabhängigkeit garantiert. Andernfalls würden wir weiterhin dem Druck ausgesetzt sein, alles auf irgendeine Art und Weise zu monetarisieren. Wir wollten die Dinge so einrichten, dass wir mit unseren Kunden in Einklang bleiben. Und der Preis ist so günstig, dass wir hoffen, dass viele Leute sagen, dass es sich lohnt.

Jon: Ich verstehe, woher du kommst, und ich respektiere es. Ich habe es früher auch so gemacht. Ich hoffe und glaube, dass Neeva Erfolg haben wird. Ich wünsche dir dafür alles Gute.


Dies sind nur einige Highlights aus dem einstündigen Chat. Wir empfehlen dir den vollständigen Podcast anzuhören, um alle Argumente dieser beiden Visionären zu verstehen.

Hast du etwas Überraschendes in Jons und Sridhars Gespräch gefunden? Teile deine Gedanken in den Kommentaren unten mit uns.

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